Netflix' Der Schacht: Brutalste Immersion in Zeiten von Corona

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In Zeiten von Corona Lockdowns, Grundrechtsbeschränkungen, Existenzängsten und irrationalen Hamsterkäufen ist ein Film wie "The Platform ("Der Schacht") nicht unbedingt die Art von Unterhaltung, die sich die in leichte Zerstreuung flüchtende Menschheit vorgestellt hatte. 

 

Während sich viele in meinem Umfeld in die bunten Märchenwelten von Disney+ flüchten, veröffentlichte Netflix vor einigen Tagen einen unglaublich düsteren, klaustrophobischen und gesellschaftskritischen Exklusivtitel, der scheinbar nur ein Daseinszweck hat: Einer in Quarantäne versetzten Menschheit vorgesetzt zu werden, die dazu verdammt ist, hinzuschauen und sich mit den eigenen Abgründen auseinanderzusetzen. Das macht den Film zu einer enorm immersiven Erfahrung - quasi die ultimative Vermischung aus Heimkino und Quarantäne-Escape Room.

 

"Der Schacht" ist ein Film, der in einem einzigen Raum spielt. Ein Film, der das korrupte System des Kapitalismus und die Spaltung zwischen reich und arm, privilegiert und verloren, zwischen Leben und Tod so banal und doch so messerscharf darstellt. Thematisch wie visuell.

 

Der Film funktioniert ebenso als Stanford-Prison-Experiment in Zeiten von Corona wie als bitterböse Horrorunterhaltung der Marke "Cube" oder "Get Out". Eine zynische Auseinandersetzung mit der Gattung Mensch und der Frage, warum wir vielleicht weder durch Klimawandel noch durch Pandemien zu Grunde gehen, sondern letztlich an uns selbst scheitern werden. Doch der Film lässt sein Publikum nicht komplett gebrochen zurück. Auch in den dunkelsten Stunden keimt Hoffnung. Ein vielsagendes Zwinkern an eine sich selbst verzehrende Menschheit, die ihre größten Bedrohungen Corona, Klimawandel und Fakenews allesamt selbst verschuldete. Kurzum: Ein erschreckend aktuelles, erschreckend banales und zugleich erschreckend großartiges Werk! 9/10